vom Myrkonia Fantasy Tour-Berichterstatter Patrizio Follmy
Italien ist das Land des Sports -Und ich meine damit nicht den profanen Sport à la Pierre Littbarkski. Es ist die Gewalt des Intellekts, eines Garri Kasparows, die den sonnenumwobenen Luigi hinter seiner Strandbar packt. Wir sind an der vorletzten Station unseres Liebesmarathons angelangt. Follonica, und um genauer zu werden das Restaurante Pacianca. Ein formidabler Ort, idyllisch hinter der Strandpromenade gelegen. Wir erfahren wirklich enorme Gastfreundschaft gepaart mit kulinarischer Kreatvität. Ich weiß nicht wer, aber irgend jemand hat uns eine Bühne im Eisenbahnformat H0 hingezimmert, umrandet von orangenen Kunststoffumfriedungen. Fasziniert betrachten wir das Kunstwerk. Leider müssen wir es zerstören. Es bietet maximal Platz für einen gut gebauten Italiener. Also frisch angepackt und umgesetzt.
Nun ist Zeit, den Strand zu besichtigen. Womit wir beim Thema Garri Kasparow oder Großraumschach auf italienisch wären. Der fein säuberlich parzellierte Strand bildet das Spielfeld. Zu jeder Bar gehört ein Areal mit Schirmen und Liegen in jeweils einheitlich dahin bleichenden Farben.
In der ersten Reihe liegen die feisten und Angriffslustigen Bauern und Bäuerinnen. Dahinter Tummeln sich Türme, Pferde, Läufer, König und Königin auf Liegen und unter Schirmen. Das Spiel kann beginnen. Zwei blaue Bauern eröffnen mit einem gezielten Auftritt im String mit Dolce&Gabana Optik, auch bekannt als Detmolder Offensive. Der Gegner ist kurz verblüfft, kontert jedoch diese Offensive mit einem betörenden Pferdchensprung von B auf Doppel-D. Ein voller Erfolg die Bauern stolpern und verhäddern sich in sich selbst und haben Mühe die Haltung zu bewahren. Dem Perdchen folgen zwei kreischende Bauernkinder. Sie stiften Krieg und Verderben im Fußvolk der blauen Mannschaft. Das Spielniveau ist wirklich komplex und feinporig. Dicht drängen sich Königin und König unter ihren blauen Sonnenschirmchen zusammen und benetzen ihre vor Angst vibrierenden Seelen mit Sonnenöl. Ich bin fast versucht mich tiefer in die Spielerpsyche der Italiener zu begeben. Doch König Eros R. muss seine Botschaft der Liebe heute noch durch meine zarten Lippen und die dran montierte Trompete drücken.
Ab zum Soundcheck. Verdammt, wir sind ein eingespieltes Team. Alles flutscht. Das Konzert kann beginnen. Das “lilabungalow” eröffnet den Abend mit musikalisch gezielten Sentenzen aus dem Bereich “Heavy Petting House Musik”. Das dinierende Publikum honoriert dies mit einem milden Klatschen. Ein gelungener Auftakt. Das Konzert der Schwestern Osamas gerät zum emotionalen Heimspiel. Die Zuschauer stehen auf der Straße und fühlen intensive Verbundenheit mit unseren Schlagerkampfpiloten. Viva Follonica. Wir spielen bis zur letzten Schwester. Ein schöner Abend, wenn man davon absieht das ich am nächsten Morgen beim öffnen der Beifahrertür feststelle das hier gute Arbeit geleistet wurde: Der Bus ist inklusive der Tür in seiner gesamten Länge mit absoluter Fifligranität bekotzt.
Patrizio


